Rechte des Dinghofs zu Heuweiler (14. Jhd, wahrscheinlich vor 1341)


Diss sind eint herren ond eins fogts recht xe Heinwiler.

1. Item zu dem ersten: wer herre und vogt ist ze Heinwiler, der sol dru geding haben in dem vorgnanten dinghof und sol den meiger by im siezen haben, und sol das erst geding haben ze mittem meygen, das ander ze mittem hornung und das dritt ze herbst etc.

2. Item man sol öch wisßen, ee der herre ze gedinge sitze, so sol man im geben v sh. , und sol ee nücz richten etc.

3. Item wer vogt und herre ist ze Heinwiler, der sol das geding verhin künden xiiii tag, und wenn die xiiii tage fürkoment, wer denn in den vorgenanten dinghof höret und dar kerne, so ers verneme, wer der were, der were dem herren und vogte verfallen iii sh. und yedem geburen öch iii sh., yn irre denn eehefftige not.

4. Item wer öch vogt und herr ist ze Heinwiler, dem sond die geburen alle jar geben x mut rocken, heisßet vogt stür, und gand ab den xiii lehen, des gat ab der Büchlinen hof i malter roggen und ab Cristinen lehen i schöffel und ab des Tecken lehen V2 mut rocken, und wer vogt und herre ist, wenn er das körn wil, so sol man yra das geben zwüschen den zweyen unser frouwen tagen  und nit ee. Er sol aber ee und vorhin künden xiiii tage, und wenn ers also gekündet, wer im denn das körn nftt bringet under die linden ze Heinwiler, wer der ist, der sich des suraet, von dem sol öch der herr nemen iii sh. besßerung.

5. Item wer vogt und herr ist ze Heinwiler, dem sont die geburen ze Heinwiler geben Ixiii hüner.

6. Item wer vogt und herr ist ze Heinwiler, der denn hinder ime sitzet, wer der ist, und ist, daz er vihe hat, so sol er dem herren ein meni tun gen Bergen oder anderswa als verre, und ist, daz er nüt vihes hat, so sol er im zwen tage wan tun, es sige an megen oder höwen, und sol öch der herre, alle die wile die fröni weret, beide, lüt und vihe, ze esßen geben.

7. Item wer vogt und herre ist ze Heinwiler, dem gibt man von den xiii lehen iii füder holtz und sontz’ öch die geburen alle gemeinclich höwen und sol das holtz füren der widem hof und des meygers hof und der Küchlinen hof und sont das holtz füren gen Waltkilch, und dar umb wer denn herr und vogt ist ze Heinwiler, der sol in das holtz helfen schirmen, so verre er mag one geuerde, wo siß nit schirmen möchten. Öch sol man wisßen, daz alle, die hörent in die xiii lehen ze Heinwiler, das holtz nützen und nießen sont so verre so wir mügent, denn daz wirs nit söUent ziehen ze lehen.

8. Were ouch, daz yeman den andern an den hals schlüge, ist er ein gotzhus man, der sol dem herrn nü iii sh. besßern und von einem blfttschlag v sh. und ein todschlag öch dem herren lib und gut.

9. Item waß schlechter wette  sind, da wirt dem vogt i sh. und dem meyger ii Schillinge.

10. Item wer vogt und herr ze Heinwiler ist, dem wirt düb und freveh gar.

11. Item were öch, daz ein frömder man kem gen Heinwiler und sesßhaft da belibe ein jar und tag unversprochen, ist er belehent, so sol er dienen recht als andere ze Heinwiler; ist er aber nit belehent, so sol er dem herren geben i schöffel haber und sol öch im dienen ein tag und ein nacht mit synem Schwert oder spiesß etc.

12. Item were öch, daz der gebur, der denn belehent ist hinder dem herren ze Heinwiler, keinen schaden tete, dem sol denn öch der herr helfen teidingen, so verr er mag, jar und tag in dem lande yedes monetz ein tag und ein nacht in sin selbs kost, und mag er denn n&t teidingen, so sol der herr ime helfen vertriben und sol in beleiten vor den vienden one geverde untz uflf den Ryn enmitten und zft dem Lacbrunnen, und waß er des herren fürbaß bedarf denn ein tag und ein nacht, das sol gener, der den schaden hat getan, selbe Zügen.

Diss sind des meygers recht ze Heinwiler.

13. Item wer, daz yeman stürbe, der da hörte in den Vorgenanten dinghöf ze Heinwiler, der sol zu dem besten Valien, so ers hat, es sige das best höpt oder kleider unbegriflfen und nun zun ögen one geverde, und sol der meyger von yedem valle den geburen i sh. geben, syu sige lützel oder vil, und were, daz der valle were als schwach, daz er den Schilling nit getragen möcht, waß dar an abgienge, so sol doch der meiger allewegen den geburen ein Schilling erfüllen etc.

14. Item wer öch meiger ist ze Heinwiler, der sol da han ein faselrint und ein faselschwin uff dem hof ze Heinwiler, und waß des die geburen schaden haut und nut irem eyd behfibent, den sol der meiger öch ablegen.

15. Item wer öch meiger ist ze Heinwiler, der sol han i muli an der matten, heisßet muli mat, und wer denne die muli von dem meiger hat und dar inne ist, der sol das körn in die muli wegen und das mel her uß.

16. Item wer öch meiger ist ze Heinwiler, der sol ein füre han ze mittem hornung alle die wile, so das gedinge weret, und sol dar umb dem meyger yeder gebur bringen einen leyp, der eines Pfennings wert sye etc.

 

Beginn eines Kommentars

In unserer Gegend hat sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts überwiegend ein Zins und Rentensystem herausgebildet. Eigenwirtschaftungen (von Höfen) wurden hier nahezu gänzlich aufgegeben und Reste der Fronhofverfasstheit stellen sich noch in Meier bzw. Dinghöfen dar. Die Betreiber dieser Höfe übernehmen häufig auch administrative Aufgaben für ihre jeweiligen Grundherren, sei es, um das Einsammeln der Abgaben zu organisieren oder aber auch zum Teil das Ausüben richterlicher Gewalten zu übernehmen. Güter, die frei werden, werden innerhalb der Hofgenossen weitergegeben (…). Das Besitzrecht der Höfe und Güter ist z.T. über Erbzinsrecht geregelt und die Abgaben an die Grundherren erfolgt in Form von festgelegten Natural- bzw. Geldabgaben (…) [4]

Bei seinen historischen Recherchen hat Herr Dargleff Jahnke eine umfassende Interpretation dieses Textes verfasst. Diese ist unter [5] verlinkt. Absolut lesenswert!

 

Verlinkte Quellen

1. Karl Hartfelder: Breisgauer Weisthümer, ZGO 26, 241, 1883

2.Originaldokument GLA Karlsruhe 21 Nr. 3897

3. Wikipedia zu Weisthum

4. Matthias Trumpfheller 2006: Das deutsche Bauerntum im Spätmittelalter am Abend der Krise

5. Dargleff Jahnke: Recherche zur Geschichte von Heuweiler:  Übersetzung und Deutung des Weistums von Heuweiler. Gemeindearchiv Heuweiler 2016

 

 

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