„Johannes von Heuswile“ 1266

Heuweiler 1266 – 750 Jahre in 2016?

Dass das Jahr 1266 in Bezug zu Heuweiler (etwa bei LEO-BW[1] und auch in der Ortsbroschüre)  bis 2016 regelmäßig aufgetaucht war, ging wahrscheinlich auf eine Publikation von Moriz Gmelin im Jahre 1876 zurück. Er hatte in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins das Urkundenbuch der Deutschordenscommende Beuggen zusammengetragen und kommentiert[2]. Auf Seite 389 des Bandes wird ein „Johannes de Heuswile“ als Zeuge eines Gutsverkaufs in Zürich genannt. Gmelin Kommentiert dazu (mit Fragezeichen): Heuswile = Heuweiler Reg. B. Waldkirch?

Jedenfalls hatte 2016 kaum jemand in Heuweiler das Jahr 1266 im Kopf, als am Rande der Hauptversammlung der DJK im März plötzlich von mehreren Bürgern die Frage aufgebracht wurde, ob Heuweiler nicht sein Dorfjubiläum feiern sollte. Es wurde nachgerechnet. 750 Jahre? Unter dem Druck der lokalen die Presse [3,4] und einiger Aktivisten (Abb. 1) wurde einerseits ein „historisches Jahr“ ausgerufen, und andererseits beschlossen, die Quelle dieser Datumsangabe zu verifizieren.  Beauftragt mit dieser Recherche wurde der Freiburger Historiker Dr. Andre Gutmann. Nach seinem ausführlichen Gutachten[5] über die Urkunde von 1266 muss festgestellt werden, dass diese „nicht als Beleg für die Ersterwähnung von Heuweiler gelten“ kann. Der tatsächlich älteste eindeutige Beleg der Ersterwähnung Heuweiler ist damit ein Eintrag im so genannten „Liber decimationis“ des Bistums Konstanz[6].

Leheneckbestien 750 Jahre Heuweiler

Abb.1 Bühl in Heuweiler am 1. Mai 2016 [6]

Ab 1291 gibt es mehrere Belege über einen Johannes von Heinwiler und dessen Sohn Berthold von Heinwiler[8]. Diese haben aber wohl nichts mit Johannes de Heuswile von 1266 zu tun. Seit 2017 kommt das Jahr 1266 in der Ortsbroschüre nicht mehr vor[9].

 

Verlinkte Quellen

1. Heuweiler bei LEO-BW

2. Moriz Gmelin: Urkundenbuch der Deutschordenscommende Beuggen, ZGO 28, 387 1876

3. Heuweiler hat sein Dorfjubiläum fast verschlafen. Bericht der BZ vom 21.03.2016

4. Heuweiler verschläft den eigenen Geburtstag. Video von Radio Regenbogen vom 23.03.2016

5. Dr. Andre Gutmann: Die Nennung eines Johannes de Heuswiler in einer Klingnauer Urkunde von 1266 – Ein Beleg für die Ersterwähnung von Heuweiler? Gutachten im Auftrag der Gemeinde Heuweiler, April 2016

6. Neueliste-Heuweiler: Nennung von Heuweiler im „Liber decimationis cleri constantiensis pro papa de anno 1275“

7. Foto: Andrea Steinhart. Quelle: Auch Ohne Jubiläum gabs jede Menge Neues. BZ vom 4.1.2017

8. Stefan Schmidt: Tennenbacher Urkundenbuch Band 1, 2009

9. Ortsbroschüre Gundelfingen Wildtal Heuweiler

 

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